
Daniel Speck sei ein „cineastischer“ Erzähler, hat ein Kritiker einmal über den Verfasser von Erfolgsromanen wie „Bella Germania“, „Piccola Sicilia“ oder zuletzt „Yoga Town“ geschrieben. In der Tat: Speck, der von Haus aus Drehbuchautor ist, schreibt Romane mit einer Bildhaftigkeit und Anschaulichkeit, die eindringliche Bilder im Kopf produzieren und uns als Leser das Geschehen wie in einem Film mitvollziehen lassen. Das trifft auch auf Daniel Specks neuen Roman zu: „Villa Rivolta“ entführt in das Italien der frühen Nachkriegsjahrzehnte, Erinnerungen an erste Italienreisen mit viel „sole mio“ inklusive.
Die Rahmenhandlung ist in den späten 70er Jahren in Mailand angesiedelt. Dort lebt Valeria, eine passionierte Journalistin, mit ihrem Sohn Tonnino. Der stößt im Innenhof ihres Hauses in einer Baugrube auf eine dort versteckte deutsche Waffe. Dieser Fund – und das Interesse der Polizei am Fund und seinem Finder – lässt Valeria in Panik geraten und überstürzt fliehen. Auf der Fahrt in die Maremma erzählt sie ihrem Sohn – und uns als Lesern – ihre Lebensgeschichte: Ihre Mutter war nach dem Krieg Haushälterin in der Villa Rivolta, die von dem Automobilunternehmer Renzo Rivolta und seiner Familie bewohnt wird. Dort begegnen Piero, der Sohn des Unternehmers, und Valeria einander. Beide sind noch Kinder, und doch spüren sie sogleich, dass sie etwas Besonderes verbindet, eine Art „Seelenverwandtschaft“, die alle trennenden gesellschaftlichen Schranken außer Kraft setzt. Die Geschichte dieser unmöglichen Liebe, all ihrer Höhen und Tiefen und Verwicklungen, bildet den roten Faden von Valerias Lebensbeichte. Tonnino lernt begreifen, wer – und was – Piero für ihre Mutter war und welche Rolle er neben dem zumeist abwesenden Vater und Ehemann spielte. Welches Geheimnis sich für Piero und Valeria mit der gefundenen Pistole verbindet, erschließt Valerias Geschichte dank der dramaturgischen Gewieftheit des Autors in einem Spannungsbogen, der bis zum Ende nicht abreißt.
Gleich zu Beginn des Romans erfahren wir, dass am Anfang des Buches die reale Begegnung mit dem italienischen Unternehmer Piero Rivolta stand, der Daniel Speck seine abenteuerliche Lebensgeschichte erzählt hat und ihm anbot, daraus einen Roman zu machen. Wie „Villa Rivolta“ historische Entwicklungen im Italien jener Jahrzehnte mit der Unternehmensgeschichte des Hauses Rivolta und der Konstruktion des legendären Iso Rivolta verbindet und dabei reale und fiktive Persönlichkeiten in einen leichtfüßigen Erzählfluss einbindet, verdient großen Respekt. Dass der Autor eine tiefe Liebe zu seinen Figuren mit einer Passion für Italien und für italienische Autos und deren einzigartige Ästhetik verbindet, ist allenthalben zwischen den Zeilen spürbar.
„Villa Rivolta“ ist ein Schmöker für alle Italienfans, reich an (Lebens-)Geschichten, eindringlich im Ausloten zwischenmenschlicher Emotionen – und prall gefüllt mit stimmungsvollem Italien-Flair.
Rita Mielke
Daniel Speck: Villa Rivolta. Frankfurt/M.: S. Fischer 2026. 602 S., 25 €