
Am 18. Mai feierte Maria Schnock geborene Krahwinkel aus Liedberg gebührend ihren 100.sten Geburtstag. Wir wollten diese
seltene Gelegenheit nutzen, um mit einer Hundertjährigen ein Interview zu führen und waren mehr als begeistert über diese noch so jung wirkende und geistig absolut fitte Frau, der wir gerne mit Spannung und Lachen zugehört haben. Nicht zu unrecht sagte aktuell ihr Arzt: „Frau Schnock, sie haben ein Herz wie ein junges Mädchen.“
IN: Frau Schnock, hatten Sie einen schönen Geburtstag?
M. Schnock: Einfach wunderschön! So viele Menschen kamen vorbei, beide Zelte waren picke, packe voll. Blasmusik, der Männergesangsverein, meine Jungs von der Kirmes, das Königspaar und Minister in langen Kleidern, der Bürgermeister - mit dem bin ich jetzt auch per du - und sogar vom Ministerpräsident Wüst habe ich per Post Glückwünsche erhalten. Und besonders habe ich mich über den wirklich tollen und leckeren Kuchen von meinem Enkel gefreut. Gefeiert haben wir bis 1 Uhr nachts, es war wunderschön.
IN: Lüften Sie uns Ihr Geheimnis, wie man 100 Jahre alt wird?
M. Schnock: Ich habe nie geraucht, außer etwas Lippenstift mich nie geschminkt und nur Nivea benutzt. In meiner Jugend nie Alkohol getrunken, erst nachdem die Kinder groß waren.
IN: An welches historische Ereignis erinnern Sie sich besonders?
M. Schnock: An die Jahrtausendfeier hier von Liedberg 1935. Ein Festumzug mit historischen Trachten und einem Festspiel am Liedberger Schloss. Ich war damals neun und erinnere mich noch sehr gut daran, weil es so schön war. Klar war auch der Krieg ein besonderes Ereignis. Darüber könnte ich so viel erzählen, aber es war eine sehr schwere Zeit …. Die Straßen bestanden nur aus Morast von den Panzern, die hier durch Liedberg fuhren. Tiefflieger jagten über uns … es war schlimm.
IN: Wie war ihre Jugend im Vergleich zu heute?
M. Schnock: Ich habe eine schweres Leben gehabt. Musste schon früh viel arbeiten. Ich war die Älteste von meinen neun Geschwistern, die schon alle tot sind. Hier in diesem Haus bin ich geboren. Später wurde in diesen Räumen eine Bäckerei und ein Cafè errichtet. Jahre später wurde beides geschlossen und meine Eltern eröffneten hier die Wirtschaft „Zum Felsenkeller“. Im Mai 1950 habe ich geheiratet und vier Kinder bekommen. Ein Sohn und drei Töchter. Mein Sohn ist leider schon verstorben. Heute habe ich neun Enkelkinder und zehn Urenkel. Die letzten Jahre habe ich ein schönes Leben mit meinen Töchtern verlebt. Mit 85 habe ich sogar noch eine Ballonfahrt gemacht und zum 100.sten hat man mir einen Flug geschenkt. Da freue ich mich riesig darauf, denn da flech ich över Kölle.
IN: Gibt es etwas, dass Sie heute anders machen würden?
M. Schnock: Ne, wat soll ich auch anders machen. Ich versteh mich gut mit meinen Kindern, mir geht es gut, ich kann gut leben, feier jeden Geburtstag mit Freunden und mein Arzt hat nach der letzten Untersuchung gesagt, ich hätte ein Herz wie ein junges Mädchen - was will ich mehr!
IN: Welchen Rat würden Sie jungen Menschen mit auf den Weg geben?
M. Schnock: Es ist schwierig in der heutigen Zeit. Sie sollen sich Freude machen und nicht leidig sein.
IN: Was wünschen Sie sich für's weitere Leben?
M. Schnock: Dass ich gesund bleibe und auf Schützenfeste gehen kann, auch wenn ich nicht mehr tanzen kann, aber einfach in Geselligkeit dabei sein.
IN: Liebe Frau Schnock, das wünschen auch wir Ihnen von ganzem Herzen und noch viele zufriedene Jahre. Wir bedanken uns für das interessante Interview, für die herrlichen Liedeinlagen vom schönen Marmorsee (die Tränke) in Liedberg und die Erklärung, wann genau Frühlingsanfang ist :)