Eine kleine „Garten-Lese“ in Corona-Zeiten

So manche(r) entdeckt in diesen reisearmen Corona-Zeiten den Reiz des eigenen Gartens wieder. Dort gibt es immer genug zu tun. Aber dort lässt es sich auch wunderbar entspannen. Sachbuch- wie Romanautoren haben in den vergangenen Jahren den heimischen Garten als das kleine private Stück „Natur“ wiederentdeckt, in dem wir nach Herzenslust werkeln, gestalten und Natur entdecken können. Eine kleine Auswahl für den Gartenmonat Juni von Rita Mielke

Lola Randl: Der große Garten

Alles begann vor gut zehn Jahren, als Lola Randl immer häufiger das Bedürfnis hatte, dem großstädtischen Berliner Leben den Rücken zu kehren, um endlich wieder frei leben und arbeiten zu können. Kurzentschlossen zog sie auf ein zwei Hektar großes Gelände einer alten Schlossgärtnerei, die sie im Internet sah, und begann dort mitsamt ihrer Familie ein neues Leben. – Dies bildet die Grundlage für Lola Randls Roman, der in die Reihe jener Bücher gehört, die aktuell das einfache Leben, im Dorf und auf dem Land, neu entdecken. Was diesen Roman besonders macht, ist die Fülle an praktischen Gartenerfahrungen. All das aber wird stets in Bezug gesetzt zu den Menschen, die den Garten und das Haus bevölkern und die, wenn man Lola Randl glaubt, all ihre großstädtischen Neurosen und ihre psychische Instabilität natürlich mit aufs Land geschleppt haben und dort weiter kultivieren. Dass Lola Randl bei alledem eine gute Portion Humor und Selbstironie beweist - „wie friedlich es im Haus ist, wenn ich nicht da bin“ – macht die Lektüre ihres Buches ausgesprochen vergnüglich.


Susanne Wiborg: Im Garten

„Wörterpracht vor meiner Tür“ lautet der klug gewählte Untertitel des Duden-Bändchens, für den die Gartenautorin Susanne Wiborg verantwortlich zeichnet, deren eigenes Gartenparadies mit Hühnern in der Nähe von Hamburg liegt. Anhand von dreißig Begriffen – von A - wie Akelei - bis Z – wie Zaun – lädt sie ein zu einer sprach-, literatur- und kulturgeschichtlichen Erkundung des Gartens und seiner pflanzlichen wie tierischen Bewohner. Wie die Rose in den Garten gefunden hat, warum Schnecken einen so schlechten Ruf haben und weshalb jeder Apfel ein Stück (Garten-)Paradies verkörpert, erfahren Natur- und Kulturliebhaber auf unterhaltsame Weise. Schön ausgewählte historische Abbildungen verleihen dem Buch das besondere wertige Flair.


Elisabeth Stursberg: Gartenglück im Sommer

Das Schöne an Anthologien ist, dass man in ihnen blättern und verweilen, sie weglegen und bei nächster Gelegenheit wieder zur Hand nehmen kann. Zum Beispiel im Garten, wo man ein paar Blüten schneiden oder Blätter zupfen und zwischendrin einen anregenden „literarischen Spaziergang“ mit diesem kompakten Büchlein aus der praktischen „Taschen Bibliotheks“-Reihe unternehmen kann. Ob Goethe oder Tucholsky, Heinrich Heine oder Matthias Claudius, Flaubert oder Rilke: Zum Frühling und seinen Gefühlen, zum Glück im Garten, zu der Natur und ihrer wohltuenden Wirkung auf Stimmung und Gemüt des Menschen haben sie alle sich so ihre Gedanken – und so manchen – schönen Reim – gemacht. Und bei der Lektüre im Garten lernen wir den kleinen oder großen grünen Schatz um uns herum gleich noch ein bisschen mehr zu würdigen.