Buchtipps gegen den Winter-Blues

Die Feiertage liegen hinter uns allen – alles steht auf Anfang! Aber es wird kein Anfang, wie er früher oder noch 2020 war. Es wird eine anderer, ein neuer Anfang sein. Das muss uns nicht ängstigen – das können wir ja auch als Chance begreifen! Statt also (Corona-)Trübsal zu blasen, setzen wir den tristen Januartagen ein buntes, gut gemischtes Bücher-Potpourri entgegen – eine Auswahl an Lektüren, die bestens dazu geeignet sind, uns in spannende fremde Welten zu entführen. Eine Auswahl von Rita Mielke.


Rainer Wieland (Hg.): „Stand spät auf, legte mich dann aber wieder hin.“

München: Piper. 2020. 704 S., 40 €
Tagebuchschreiben ist ein bisschen aus der Mode gekommen, bedauerlicherweise, wie der vorliegende Band eindrucksvoll belegt! Denn was wüssten wir über so manchen prominenten Höhenflug und so manche fragwürdige Selbsteinschätzung, über geheime Gedanken, kühne Träume und indiskrete Kommentare zu anderen Zeitgenossen, wenn es keine Tagebücher gäbe. Rainer Wieland hat einen dickleibigen Band zusammengestellt, in dem Tagebuchnotizen von rund 160 Persönlichkeiten aus allen Lebensbereichen und mehr als 500 Jahren nachzulesen sind – von Christoph Kolumbus über Andy Warhol bis Romy Schneider und von Alexander von Humboldt über Virginia Woolf bis Thomas Mann. Die Konzeption des Buches lädt dazu ein, diesen Band zu einem anregenden Jahresbegleiter zu machen und sich jeden Tag einen weiteren Tagebucheintrag zu gönnen. Eine schöne Nebenbeobachtung: Das Wort „Corona“ kommt in keinem einzigen Eintrag vor!


Robert Galbraith: Böses Blut.

München: Blanvalet. 2020. 1200 S., 26 €
Dass sich hinter dem Pseudonym Robert Galbraith keine geringere als die „Harry Potter“-Erfinderin J.K. Rowling verbirgt, ist längst kein Geheimnis mehr. Zum fünften Mal schickt sie jetzt ihr Ermittler-Duo Cormoran Strike und Robin Ellacott aus, um der Wahrheit ans Licht und Gerechtigkeit zu ihrem Recht zu verhelfen. Dieses Mal handelt es sich um einen „cold case“, einen lange zurückliegenden Fall einer unter mysteriösen Umständen verschwundenen und nie wieder aufgetauchten Frau aus Cornwall. Nicht nur die historische Distanz, auch die vertrackten Umstände des Verschwindens zwingen die beiden dazu, alles aufzubieten, was ihnen an detektivischem Spürsinn zur Verfügung steht. Rowling alias Robert Galbraith weiß, wie man Spannung erzeugt - und hält, und das ganz souverän über 1.200 Seiten. – Eine spannende Lektüre für viele lange Januar-Abende.


Giles Milton: Vom Mann, der mit zwei Flaschen Whiskey den Untergang der Titanic überlebte.

Salzburg: Benevento. 2020. 291 S., 20 €
Die verrücktesten Geschichten schreibt das Leben selbst. Allerdings wollen sie auch gefunden werden. Dazu bedarf es dann unter Umständen eines „Schatzsuchers“, der sich in alten Dokumenten, in Archiven oder Bibliotheken auf Spurensuche begibt. Der Engländer Giles Milton hat eine leidenschaftliche Spürnase für entlegene, abseitige, skurrile, manchmal urkomische, manchmal auch ergreifende Geschichten. Knapp fünfzig erzählt er in diesem Band, in den man herrlich abtauchen kann: Da ist etwa die Geschichte des einsamen japanischen Soldaten, der 1974 immer noch auf die Nachricht vom Ende des 2. Weltkriegs wartete; oder die Geschichte von Michael Fagan, dem es tatsächlich gelang, bis ins Schlafzimmer der Queen vorzudringen; oder die anrührende Geschichte des letzten chinesischen Eunuchen Sun Yaoting, nicht zuletzt die titelgebende Story des Bäckers auf der Titanic, der sich mit zwei Flaschen Whiskey betrank, um den Untergang nicht bei vollem Bewusstsein erleben zu müssen. Weltgeschichte im Kleinformat – für alle historisch Interessierten das reinste Lesevergnügen.


Ingo Rose, Barbara Sichtermann: Augen, die im Dunkeln leuchten. Helena Rubinstein. Eine Biografie.

Wien: Kremayr & Scheriau Verlag. 2020. 318 S., 24 €
Sie maß gerade mal 1,48 Meter, war eines von acht Kindern des Krakauer jüdischen Kaufmanns Herzel Rubinstein – aber brachte mehr Energie und Entschlossenheit mit als die meisten jungen Frauen ihrer Generation. Chaja, später Helena Rubinstein (1870 – 1965), die Begründerin eines weltumspannenden Kosmetikimperiums, hat ein Ausnahmeleben geführt. Von Krakau nach Wien, nach Australien, nach England, in die USA, nach Paris führte ihr Weg, den sie, eine Rastlose, mit unglaublichem Tatendrang und unerbittlich erzwungenen Höchstleistungen – von sich und anderen – absolvierte. Ingo Rose und Barbara Sichtermann erzählen die Lebensgeschichte Helena Rubinsteins detailreich, ohne Beschönigung und mit großem Einfühlungsvermögen. Ihr Buch gibt den Blick frei auf eine faszinierende, (weltum-)spannende Frauenbiografie des 20. Jahrhunderts.